Kain mit religiösem Mäntelchen

13. März, 2017

Bei Szondi kann man es in seinem Buch “Kain, Gestalten des Bösen” detailliert nachlesen: Religion und deren Ausübung dient dem zerstörerischen kainitischen Trieb jedes Menschen als Deckmantel, um eine triebmässig angelegten “tödlichen Gesinnung” auszuleben. Dies geschieht mit einer Radikalität, die bis zur Selbstvernichtung geht. Dass unter einer solchem Prämisse die Zerstörung von ein paar Ruinen in Palmyra Peanuts sind, liegt auf der Hand. Zu diesem Thema eine Feststellung von Norbert Leygraf, Psychiater, im Fachjournal “Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie” (2014), der in seinem Artikel angeklagte islamistische Straftäter wie folgt beschreibt: als «egozentrische, impulsive und wenig leistungsbereite Männer, die den fundamentalistischen Islam dazu genutzt hatten, ihr überhöhtes Selbstwertgefühl [Narzissmus] nach Aussen zu präsentieren, und die darin vor allem eine Möglichkeit gesehen hatten, ihre aggressiven Impulse scheinbar moralisch legitimiert ausleben zu können». Der Drang zur moralischen Legitimierung ihres Handelns ist ein Hinweis auf die von Szondi postulierte und in seinem Moses-Buch plausibel dargelegte These, nach der ein Kainit im Hintergrund immer einen Hang zur rigiden Rechtsordnung und Rechtsausübung haben. Dies mag paradox erscheinen, aber es ist so. Nur noch eine Nebenbemerkung: wer in der schicksalsanalytischen Therapie den lauernden Kain übersieht und dessen Impulse in der Übertragung negiert oder verharmlosend umdeutet, ist zum Scheitern verurteilt. Pellegrino

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