Ahnenansprüche

Ahnenansprüche

Frage: Wie kann man die Ahnenansprüche erkennen und das stellungnehmende Ich (bewusst) einsetzen?

Praktisch weiss niemand bewusst, welche Ahnenansprüche sich im individuellen Leben manifestieren wollen, es sei denn, man beschäftige sich mit der Schicksalsanalyse (mache den Szondi-Test) und kann so die Nebel über dem Ahnenfeld lichten.
Man kann jedoch davon ausgehen, dass der grosse unbewusste Anteil des Ichs ständig daran arbeitet, aus den beachtlichen Möglichkeiten des Ahnenerbes das jeweils bessere «Stück» herauszusuchen und in bewusste Handlungen zu überführen. (Dass dabei das Ich nach Szondi einen «Lebensplan» zur Verfügung hat, ist eine Voraussetzung, um Ordnung, Sinn und Zweckmässigkeit in den Lebensablauf zu bringen).
Dieses unbewusste Tätigsein des Ichs ist häufig von «trial and arror» gekennzeichnet, denn die Widerstände der drei anderen Triebe gegen die «vernünftigen» Anweisungen des Ichs sind enorm und fühlen häufig zu katastrophalen Ergebnissen. Man könnte sagen, dass das Leben «mäandert» zwischen gelungenen, knapp genügenden und missratenen Aktivitäten des Menschen und im schlimmsten Falle beispielsweise durch Suizid scheitert – oder auch in hoher Zufriedenheit endet.
Wie setzt sich der unbewusste Wille des Ichs durch? Wir erleben dies häufig instinktiv und tun oder entscheiden etwas ohne zu überlegen, nachzudenken, Konsequenzen abzuschätzen, Vor- und Nachteile abzuwägen. Das sind dann Situationen, für die wir später Begründungen nachschieben, um es für uns selber verständlich zu machen. Das Ich kann auch darauf hinarbeiten, dass eine Lebenslage, die von schlechteren Ahneneinflüssen dominiert wird, immer problematischer und immer schwieriger wird und schliesslich scheitert, obwohl wir bewusst dies verhindern möchten – und in der misslichen Lage stecken bleiben möchten – und aus subjektiven Gründen nicht einsichtsfähig sind, so dass das Ich eine Katastrophe auslöst. Grundsätzlich möchte das Ich ohne dass wir uns dessen bewusst sind, eine Optimierung des Lebensvollzugs erreichen und die bestmögliche Kombination von Fähigkeiten aufgrund des Ahnenerbes – d.h. rezessive Gene und deren Potential – realisieren.
Sie haben geschrieben, dass sich das stellungnehmende Ich gegen eine erblich gegebene Trieb- und Affektstruktur bewegt. Das ist soweit richtig, nur präziser müsste man sagen, dass sich das Ich gegen spezielle von eher negativen Ahnen dominierte willkürliche und selbstherrliche Triebstruktur wendet und ständig daran ist, diese zu sublimieren und zu sozialisieren. Für den einzelnen Menschen sieht das dann so aus, dass ihm plötzlich etwas einfällt, was er tun könnte, oder er findet, dass nun etwas reif für eine Entscheidung oder Handlung sei.
Das Unglück des Menschen besteht nun darin, dass er aus seinem Ahnenerbe ein schwaches Ich erhalten hat, oder dass er sich mit anderen Trieben bewusst gegen die Anforderungen des Ichs verbündet (beispielsweise in Sucht oder Kriminalität), oder dass Ich-Trieberkrankungen wie Schizophrenie die Ich-Steuerung ausser Kraft setzen oder dass das Ich mit der Abwehr von Gefahren aus den anderen drei Trieben so ausgelastet ist, dass keine Energie mehr für eine kreative und erfolgreiche Lebensgestaltung übrig bleibt. Über Negatives liesse sich noch mehr sagen, wie beispielsweise die Auslese von Freunden und Partnern, die unbewusst die negativen Ambitionen unseres Ahnenerbes bedienen und unsere entsprechenden Triebdispositionen animieren.
Antwort auf die Frage einer Studierenden.
Alois Altenweger
27.07.2017