Traumdeutung

Intentionalität von Träumen

«Der Analytiker als Traumdeuter muss aber neben den Kenntnissen der Trieb-, Ich- und Affekanalyse auch mit denen über die intentionalen Störungen des Denkens ausgerüstet sein. Im Kapitel II (der Scha-Therapie) haben wir bereits unsere Meinung dargelegt, wonach die Intentionalitätslehre HUSSERL’S als eine der Tiefenpsychologie bisher völlig fehlende ‘höhere Bewusstseinspsychologie’ fungieren könnte. Auf die Notwendigkeit einer Analyse der intentionalen Denkstörungen hat L. Binswanger (1960) bei Melancholikern aufmerksam gemacht. Obwohl die Denkstörungen, neben den Symptomen auch in den Träumen, oft frappanter Weise, erscheinen, wurde sie bisher fast völlig vernachlässigt. In Bezug auf die Intention, d.h. das Sich richten der Patienten unter anderem auf die Zeit, kann man auch die Träume leicht in drei Kategorien einteilen:
1. Retentive Träume, die sich nur auf die Vergangenheit
2. Präsentative Träume, die sich insbesondere auf die Gegenwart richten
3. Protentive Träume, welche sich hauptsächlich mit der Zukunft beschäftigen.
In diese dritte Kategorie gehören die zuerst von A. Maeder beschriebenen ‘teleologischen oder prospektiven’ Träume (1912). Obwohl bestimmte Träume nicht selten auf allen drei Zeithorizonten szeniert sind, finden wir des Öfteren Kranke, welche in ihrer Traumwelt vorwiegend die Vergangenheit oder die Gegenwart oder die Zukunft erleben. Dadurch wird der Traumdeuter darauf aufmerksam gemacht, dass beim Patienten eine krankhafte Verschiebung oder Einschränkung des intentionalen Denkens vorliegt. Er (der Traumdeuter) muss somit auch diese intentionalen Denkstörungen zum Zeitverhalten auslegen.» (L. Szondi, 1963, Triebdiagnostik, S. 132)
Maeder Alfred, Zur Frage der teleologischen Traumfunktion, Jahrbuch für Psa. und pspath. Forschung, Bd. V, 1913

Quelle von Originaltext Husserl:
>Husserl, Edmund
Intentionalität nach Husserl
s
Durch Reflexion erfassen wir statt der Sachen, der Werte, Zwecke, usw. die entsprechenden subjektiven Erlebnisse, in denen sie uns bewusst werden. Man bezeichnet sie auch als »Phänomene«. Ihr allgemeinster Wesenscharakter ist es, »Bewusstsein-von«, »Erscheinung-von« den jeweiligen Dingen zu sein, sie sind »intentionale« Erlebnisse. Der terminologisch aus der Scholastik stammende Ausdruck für den Grundcharakter des Seins als Bewußtsein, als Erscheinung von etwas ist Intentionalität.
Edmund Husserl übernimmt von F. Brentano, einem seiner Lehrer, die Grundbedeutung von Intentionalität (s. o.) und baut sie durch zahlreiche Analysen von Beispielen zu einem eigenständigen, zentralen Begriff in der Phänomenologie aus.
Das »Bewußtsein« besteht für Husserl im Gesamtbestand der intentionalen Erlebnisse eines Subjekts. Die intentionalen Erlebnisse bezeichnet Husserl als Akte (um Äquivokationen zu vermeiden), z. B. Wahrnehmungen, Erinnerungen, Gefühle usw. Die allgemeine Intentionalität des Bewusstseins differenziert Husserl später in Noesis (»cogito«, Weisen des Intendierens, intentionaler Akt) und Noema (»cogitatum«, das Intendierte, intentionales Objekt). (Quelle: Wikipedia)
Literatur: Husserl, Edmund: «Phänomenologische Psychologie», S. 31ff., Felix Meiner Verlag Hamburg, 2003
Nicht intentionale Empfindungsdaten, als sensuelle Hyle bezeichnet, erfahren im Bewusstsein eine Vergegenständlichung in einem besonderen mentalen Prozess, den Husserl als Apperzeption im Sinne von Auffassung, Deutung, Interpretation bezeichnet, und werden somit als intentionale Gegenstände konstituiert. Unter intentionalen Gegenständen oder intentionalen Objekten sind die Bezugspunkte eines Bewusstseinsvollzuges aufzufassen. Der intendierte Gegenstand ist weder ein immanenter Teil des Bewusstseins selbst, noch in diesem enthalten. Intentionalität betrifft nicht nur wirklich existierende Gegenstände, sondern auch Phantasievorstellungen, Erinnerungen usw. Nicht alle Erlebnisse sind intentional, z. B. Farb- oder Tonempfindungen, sondern Momente, fundiert in einem intentionalen Gesamtakt.
Unter der Bedeutungsintention versteht man den Bezug auf etwas Gegenständliches mit einer Bedeutung, z. B. Baum (Etwas als Etwas »vermeinen«). Kennt man die Bedeutung eines Ausdrucks nicht, ist die Bedeutungsintention zunächst anschauungsleer; zur Bedeutungserfüllung kommt es, wenn das Vermeinte eine anschauliche Bestätigung erfährt. Bei Deckung von Bedeutungsintention und Bedeutungserfüllung ist Evidenz gegeben.