Wahl

1) Die Wahl im wirklichen Leben und die Wahl im Testexperiment (des Szondi-Tests) wird durch die gleichen Faktoren bedingt.
2) Diese wahlbedingenden Faktoren sind Erbfaktoren.
3) Diese Erbfaktoren manifestieren sich im Leben der Person nicht nur “genotypisch”, d.h. nicht nur im ursprünglichen Erscheinungsbild einer Krankheit, sondern hauptsächlich “genotropisch”, d.h. wahllenkend, indem sie die Wahlrichtung der Sympathie und Antipathie bestimmen.
4) Die genotropisch wirkenden Erbfaktoren sind demnach diejenigen Wirkungselemente des familiären Erbguts, welches – eben durch die Wahl – das Schicksal der Person bedingen. Auf dieser Grundthese fusst die Lehre der Schicksalspsychologie.
5) Da der Wahlvorgang in der Seele der Person unbewusst abläuft, da er ferner durch familiäre Erbfaktoren gelenkt wird, erschliessen wir die Existenz eines familiären Unbewussten.
6) Das familiäre Unbewusste ‘manifestiert’ seine dynamischsten Strebungen in der genotropischen Form von Wahlhandlungen. Das familiäre Unbewusste drückt seine Strebungen in der ‘Wahlsprache’ aus.
7) Der Zugang zu dem familiären Unbewussten ist also die Wahlhandlung. Und zwar:
7.1 Die Wahl der Symptome, die der Kranke selbst in der analytischen Situation vor uns reproduziert und erlebt.
7.2 Die Wahl der seelischen Erbkrankheiten, die eventuell er selbst, im besonderen aber seine Bluts- und Genverwandte in der Vergangenheit und der Gegenwart der Familie getroffen haben.
7.3 Die im Triebexperiment (Szondi-Testbilder).

8) Von den Wahlhandlungen führt der Weg zum familiären Unbewussten, zu der unsichtbaren Drehbühne der familiär angelegten Triebgegensätzlichkeit und somit zu den familiär bedingten gegensätzlichen Schicksalsmöglichkeiten des einzelnen. Die eine dieser Schicksalsmöglichkeiten ist krankhafter, die andere hingegen sozial positiver bzw. geistiger Natur. Beide sind aber in jedem Menschen – in quantitativ variabler Stärke – immerfort da und funktionsfähig. (Ich-Analyse, S. 83)