8. lebenserhaltende Triebe

8. lebenserhaltende Triebe

Die lebenserhaltenden Triebe sind die drei Vitaltriebe, die den Menschen vierundzwanzig Stunden am Tag lebendig erhalten. Der vierte Trieb, der Ich-Trieb, will aus dem Menschen mehr als nur ein triebgesteuertes Wesen machen. Da geht es Richtung Humanisation oder Entwicklung zu einem besseren Menschen. Wir kommen darauf beim Thema «Therapie» zurück.

Die Vitaltriebe sind die Motoren des Menschen. Ohne sie geht nichts. Sie haben eine eigene Energieversorgung, ein eigenes Pflichtenheft und ein eigenes Funktionssystem. Und sie haben ein Ziel: den Menschen am Leben zu erhalten.

Die Triebe verlangen Nahrung, die sie in Form von Bedürfnissen anmelden. Tendenziell können die Triebe nie genug bekommen, denn sie müssen unser Überleben und unsere Fortpflanzung sichern. Also müssen die Bedürfnisse ständig befriedigt werden.

Ein bisschen Theorie: Die schicksalsanalytischen Triebe sind polar aufgebaut: Jeder Trieb hat zwei gegensätzliche Bedürfniskategorien und jede Bedürfniskategorie hat zwei gegensätzliche Ausrichtungen. Wie warm und kalt, links und rechts oder aktiv und passiv. Achtung für alle, die sich vertieft damit befassen möchten: die Ausrichtungen sind zwar gegensätzlich, aber nicht «gut und böse» oder «stark und schwach» oder «richtig und falsch». Die Polarität der Triebe, der Bedürfnisse und der Ausrichtungen erzeugt eine Spannung, die wiederum Energie schöpft. Die Spannungsfelder enthalten die notwendigen Informationen zur Aktivität der Triebe.

Die effektive Bedürfnisbefriedigung der Vitaltriebe ist weder richtig noch falsch, sondern eine mehr oder weniger freie Wahl der Befriedigung, so wie es gerade möglich ist. Dabei hat die Persönlichkeitspsyche des ICH-Triebs noch ein Wörtchen mitzureden. Vom ICH kann Verweigerung und Verzicht erzwungen werden, denn Triebbefriedigung ist zwar notwendig, aber häufig leidet das ICH darunter. Umfangreiche, «gierige» Befriedigung der Vitaltriebe schafft Leid, Krankheit und psychische Störungen.

Entscheidend ist im andauernden Streit zwischen ICH und den Vitaltrieben, ob jeweils die Vitaltriebmacht stärker oder schwächer ist als das ICH. Das ist von Fall zu Fall verschieden, denn Triebe suchen rücksichtslos ihre Nahrung, ihre Befriedigung. Gewinnt das ICH, dann nennen wir es vernünftig, setzen sich die Vitaltriebe durch, dann wird es emotional.

Wichtig: Die Triebe können ihre «Nahrungsversorgung» mehrstufig organisieren: Bedarf decken, Bedürfnisse befriedigen, Begierden oder im Extremfall Sucht ausleben. Bei der Besprechung der Triebe kommen wir auf einige Begriffe wieder zurück.