Alzheimer – neue Möglichkeiten zur Dämpfung?

Alzheimer – neue Möglichkeiten zur Dämpfung?

 Ber­lin – Die mit einem Gedächt­nis­ver­lust ein­her­ge­hen­de Alz­hei­mer-Erkran­kung ent­wi­ckelt sich über einen Zeit­raum von bis zu zwan­zig Jah­ren. Bil­dung und men­ta­le Akti­vi­tät kön­nen den Aus­bruch der Krank­heit hin­aus­zö­gern. Dies sind Ergeb­nis­se von zwei neu­en Stu­di­en, die auf Posi­tro­nen-Emis­si­ons-Tomo­gra­phie-Unter­su­chun­gen basie­ren. Auf­grund der For­schungs­er­geb­nis­se und aus Anlass des Welt-Alz­hei­mer-Tages emp­fiehlt der Berufs­ver­band Deut­scher Nukle­ar­me­di­zi­ner e. V. (BDN), sich früh­zei­tig und bis ins hohe Alter etwa mit Zei­tungs­lek­tü­re, Gesprä­chen und Denk­spie­len geis­tig fit zu hal­ten. Das sei momen­tan die bes­te Metho­de, um Mor­bus Alz­hei­mer vor­zu­beu­gen. Der Welt-Alz­hei­mer­tag fin­det am 21. Sep­tem­ber statt und will mit bun­des­wei­ten Ver­an­stal­tun­gen auf die Situa­ti­on der 1,4 Mil­lio­nen Demenz­kran­ken und ihrer Fami­li­en in Deutsch­land hin­wei­sen.

Mor­bus Alz­hei­mer ist die Fol­ge von Eiweiß­ab­la­ge­run­gen im Gehirn. Soge­nann­te Beta-Amy­loi­de zer­stö­ren nach und nach Ner­ven­zel­len und Gedächt­nis. Beta-Amy­loi­de kön­nen mit einer nukle­ar­me­di­zi­ni­schen Unter­su­chung nach­ge­wie­sen wer­den, der Posi­tro­nen-Emis­si­ons-Tomo­gra­phie (PET). Dafür erhal­ten die Pati­en­ten eine schwach radio­ak­tiv mar­kier­te Sub­stanz – die „Pitt­burgh com­po­und B“ – in die Arm­ve­ne inji­ziert. Über den Blut­kreis­lauf gelangt die­ser Radio­tra­cer ins Gehirn, wo er sich an die Alz­hei­mer-Pro­te­ine anla­gert. „So kön­nen wir Ort und Aus­maß der Abla­ge­run­gen erken­nen“, erklärt Pro­fes­sor Dr. med. Det­lef Moka, Vor­sit­zen­der des Berufs­ver­ban­des Deut­scher Nukle­ar­me­di­zi­ner e. V. (BDN), Essen.

Aus­tra­li­sche Nukle­ar­me­di­zi­ner haben die­se Unter­su­chung bei einer Grup­pe von 200 älte­ren Men­schen im Abstand von 18 Mona­ten mehr­fach durch­ge­führt, über einen Zeit­raum von durch­schnitt­lich vier Jah­ren. Resul­tat der Stu­die, die kürz­lich in „Lan­cet Neu­ro­lo­gy“ ver­öf­fent­licht wur­de: Die For­scher errech­ne­ten, dass die Eiweiß­ab­la­ge­run­gen bereits zwan­zig Jah­re vor Aus­bruch der Krank­heit ein­set­zen. „Wir wis­sen jetzt, dass sich Alz­hei­mer über einen lan­gen Zeit­raum ent­wi­ckelt“, sagt Nukle­ar­me­di­zi­ner Moka.

Nun gibt es mög­li­cher­wei­se ein Mit­tel, um den Aus­bruch beim Mor­bus Alz­hei­mer hin­aus­zu­zö­gern. Den Beleg hier­für lie­fern erneut Nukle­ar­me­di­zi­ner in einer PET-Stu­die, die kürz­lich in „Neu­ro­lo­gy“ ver­öf­fent­licht wur­de. Das For­scher­team hat­te eine Grup­pe von geis­tig gesun­den Senio­ren unter­sucht, die Eiweiß­ab­la­ge­run­gen im Gehirn hat­ten und sich damit in einem frü­hen Alz­hei­mer-Sta­di­um befan­den. Mit dem Radio­tra­cer Fluo­ro­de­oxy­glu­co­se (FDG) wie­sen die Wis­sen­schaft­ler nach, wie stark die Abla­ge­run­gen das Gehirn bereits geschä­digt hat­ten. „FDG wird wie Zucker von den Hirn­zel­len auf­ge­nom­men und ist des­halb ein Maß für die Stoff­wech­sel­ak­ti­vi­tät“, erläu­tert Det­lef Moka. Bei einer Demenz ist die FDG-Akti­vi­tät in den Gedächt­nis­re­gio­nen des Gehirns ver­min­dert, der Stoff­wech­sel ver­lang­samt.

Eini­ge Senio­ren hat­ten jedoch trotz deut­li­cher Aus­fäl­le im FDG-PET noch nor­ma­le Ergeb­nis­se in den Demenz­tests und waren geis­tig voll auf der Höhe. Die­se Stu­di­en­teil­neh­mer konn­ten eine gute Aus­bil­dung vor­wei­sen, wie die For­scher her­aus­fan­den. Damit belegt die Stu­die, dass Bil­dung einen güns­ti­gen Effekt auf die Demenz­ent­wick­lung hat. „Bil­dung und geis­ti­ge Akti­vi­tä­ten wie Schach­spie­len, Lesen oder sozia­ler Aus­tausch erwei­tern die kogni­ti­ven Reser­ven im Gehirn, die offen­bar den Beginn der alz­hei­mer­ty­pi­schen Hirn­leis­tungs­stö­rung hin­aus­zö­gern“, erläu­tert Pro­fes­sor Moka die Stu­di­en­ergeb­nis­se. Exper­ten gehen davon aus, dass kogni­ti­ve Reser­ven hel­fen, Abbau­vor­gän­gen im Gehirn ent­ge­gen­zu­wir­ken, indem sie Kom­pen­sa­ti­ons­stra­te­gi­en ermög­li­chen. „Ver­mut­lich wer­den ande­re Hirn­re­gio­nen genutzt, um die täg­li­chen Denkauf­ga­ben zu erle­di­gen“, sagt der BDN-Exper­te.

Man kön­ne des­halb allen Men­schen nur raten, sich früh und bis ins hohe Alter geis­tig fit zu hal­ten. „Nukle­ar­me­di­zi­ni­sche Unter­su­chun­gen zei­gen, dass 20 bis 40 Pro­zent aller Men­schen über 50 Jah­re bereits Eiweiß­ab­la­ge­run­gen im Gehirn haben“, betont Det­lef Moka.

 

Quel­len:

Ewers M, Insel PS, Stern Y, Wei­ner MW; Alzheimer’s Disea­se Neu­ro­ima­ging Initia­ti­ve (ADNI). Cogni­ti­ve reser­ve asso­cia­ted with FDG-PET in pre­cli­ni­cal Alz­hei­mer disea­se. Neu­ro­lo­gy 2013; 80: 1194-201

URL

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23486873

Vil­lema­gne VL, Burn­ham S, Bour­ge­at P, Brown B, Ellis KA, Sal­va­do O, Szo­e­ke C, Macau­lay SL, Mar­tins R, Maruff P, Ames D, Rowe CC, Mas­ters CL; Aus­tra­li­an Ima­ging Bio­mar­kers and Life­style (AIBL) Rese­arch Group. Amy­lo­id β depo­si­ti­on, neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­on, and cogni­ti­ve decli­ne in spo­ra­dic Alzheimer’s disea­se: a pro­s­pec­tive cohort stu­dy. Lan­cet Neu­ro­lo­gy 2013; 12: 357–67

URL

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23477989

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