Praxis in angewandter Schicksalsanalyse

 

Ein Lehrgang für Mediziner und Medizinerinnen mit psychosomatischem Schwerpunkt

 

Was ist das Ziel dieses Lehrgangs? Anspruch des Kurses ist es, ein Verständnis der Genese von psychosomatischen Erkrankungen aus schicksalsanalytischer, tiefenpsychologischer und psychotherapeutischer Perspektive zu erwerben. Aufgrund dieser Erkenntnisse werden Entwürfe zum Krankheitsverständnis beim Patienten formuliert. Die daraus entstehende psychosomatische Skizze wird mit der Bedürfnis- und Triebperspektive des Klienten, der Klientin verknüpft. Der schicksalsanalytische Aspekt öffnet eine Sicht auf die Befriedigung bisher verdrängter Bedürfnisse in Alltag, Beziehung, Beruf und Freizeit und fördert den Abbau psychisch induzierter somatischer Symptome und die Stärkung persönlichkeitsfördernder Verhaltensweisen.
Wir arbeiten in Gruppenseminaren, im Plenum, in Klein- und Intervisionsgruppen mit zwei oder drei Teilnehmern. Anhand von Selbsterfahrung und von Fällen, die von Beginn an in das praktische Lernen einbezogen werden, soll der Stoff erlebt und integriert werden. Dies bedeutet den Einbezug von Patientinnen oder Patienten von Beginn an in die Kursarbeit mittels Genosoziogramm, Lebensläufen, triebdiagnostischen Verifizierungen, Szondi-Testresultaten und praktischen Übungen.
Wesentlich an dieser Weiterbildung ist, dass die Theorie mittels Skripten zuhause gelernt, in Impulsreferaten entwickelt und in Seminaren fallbezogen besprochen wird. Einbezogen wird die praktische Anwendung: Präsentation von Vignetten aus der Praxis, supervisorische Fallbesprechungen, deren schicksalspsychologischen Elemente im Seminar und in Intervisionsgruppen reflektiert werden.

Eckdaten zur Ausbildung

Voraussetzung zum Kurs: Angewandte Schicksalsanalyse für Psychosomatiker:

 

Beginn: Freitag, 25. Januar 2019, 14.00 h
Dauer: 1 Jahr : Acht Zweitagesseminare plus fakultative Gruppenarbeiten, verknüpft mit der Handhabung des Szondi-Tests und Auswertungen von Genosoziogrammen.
Die Intervisionen und Gruppensitzungen können über das Kursjahr hinaus fortgesetzt werden, Support durch Dozenten und Dozentinnen des Instituts.
Dozent:

  • Lic.phil. Marc Schmuziger, Psychotherapeut FSP, eidg. Fachtitel;
  • Dr. med. Thibaud Rouèche, Psychiater;
  • Dr. psych. Almut Schweikert, Psychotherapeutin, eidg. Fachtitel;
  • Lic.rer.pol. Alois Altenweger, dipl. Schicksalsanalytiker

Wochentag: Freitag, 14.00 h – 18.00 h, Samstag, 09.00 h – 15.00 h
Studienrhythmus: einmal monatlich am Institut mit zwischenzeitlichen Treffen für Gruppenarbeiten/Intervision, insgesamt acht Weiterbildungseinheiten
Moderation der Treffen auf Wunsch durch Dozierende
Studienmaterial: Skripten des Szondi-Instituts
Bücher:

  • «Nimm dein Schicksal in die eigene Hand», Dr. Friedjung Jüttner, schicksalsanalytischer Psychotherapeut,
  • «Tiefenpsychologie – Eine Einführung», Siegfried Elhardt, Kohlhammer-Verlag,
  • «Lehrbuch Mentalisieren», Ulrich Schultz-Venrath, Klett-Cotta,
  • «Coaching, Beratung und Gehirn» Gerhard Roth, Alica Ryba,

Kosten: 3600.— Franken (in vier Raten zahlbar)
Abschluss: Zertifikat an angewandter Schicksalsanalyse (SAPPM Anerkennung hängig)
Infoveranstaltung: Donnerstag, 8. November 2018, 18.00h im Szondi-Institut
Kontakt: Sekretariat Szondi-Institut, tel. 044 252 46 55, e-mail: info@szondi.ch
Studienleitung: Alois Altenweger, E-mail: studienleitung@szondi.ch, / Tel. 079 66926 03

 

Kursprogramm:

 Weitere Informationen zum Kursablauf:


Einführung in die Trieblehre der Schicksalsanalyse und deren Verknüpfungen
Darstellung des triebstrukturellen Konzeptes der Schicksalsanalyse


Sexual Trieb:
Erotik, Sinnlichkeit
Symptome:
Hautkrankheiten, Störungen der Sexualorgane, Hormonstörungen, Störung der Feinmotorik, Störungen des Kälte-/Wärmeempfindens, Körperempfindungsstörungen, Ausschläge, Störungen der Grobmotorik
Bearbeitung:
Ich-Interventionen


Affekttrieb (Paroxysmaltrieb)
Das Böse, der «Kain», Genuine Destruktivität, Selbst- und Fremdzerstörung, Gewissensproblematik, Ethik- und Moralempfinden, Histroide Verhaltensweisen
Probleme und Symptome:
Affektepilepsie, Heisshungerattacken, Automutilation, Unfälle, Krämpfe, Migräne, Psoriasis, Allergien
Bearbeitung:
Sozialisieren, sublimieren, Grundimpuls in anderen Bedürfnisbereichen wirken lassen


Ich-Trieb
Habgier, Zwangs- und Kontrollbedürfnis, Einschränkung, Halluzinationen, Wahnvorstellungen
Probleme und Symptome:
Zwangserkrankungen, Grössenwahn, Narzissmus, autoritäres Verhalten und häufig verknüpft mit paranoider Einstellung
Bearbeitung:
Konkretes Engagement mit Herausforderungen und Erfolgskontrolle, beruflichen Ehrgeiz fördern, Raum schaffen für Entfaltungsmöglichkeit, Funktionen mit sichtlicher Anerkennung suchen


Kontakt- und Kommunikationstrieb
Akzeptation und Geborgenheit suchen, Neugierde, Aufmerksamkeit für Umweltgeschehen und Mitmenschen,
Probleme und Symptome:
Minderwertigkeitskomplex, bipolare Störung, Sucht und Haltlosigkeit, Bindungsproblematik, Entfremdung, Kontaktsperre, depressive und autistische Kontaktformen
Verstopfung, Essstörungen, Saug- und Schluckstörungen, Störung des Geschmacksinns, Magen- und Verdauungsstörungen, orale Süchte
Bearbeitung:
Selbstwertgefühl strukturieren, Berufe umorientieren und Kontaktbereiche aufbauen, die rasch Anerkennung und Wertschätzung nach sich ziehen

Einheiten des Lehrgangs

Erste Einheit

Begrüssung im Plenum, formulieren von Erwartungen, Zieldefinition, Vorgehen bei der Lern- und Lehrarbeit

Impulsreferat:

  • Einführung in die Schicksalsanalyse
  • Das psychische Erbe, die genetische Disposition
  • Das Triebsystem und der Szondi-Test
  • Das Genosoziogramm

Diskussion, Gruppenbildung, Fall bestimmen

Zweite Einheit

Fragen zur ersten Einheit, Lücken füllen, Wissensstand abgleichen

Impulsreferat:

  • Wahl und Schicksal, von den Umwelteinflüssen zum familiären Code bis zu eigenen autonomen Entscheiden

Diskussion, Gruppenarbeit, Fallbesprechung

Impulsreferat: Das Triebsystem
Diskussion, Vertiefung in den Gruppen, am eigenen Lebenslauf prüfen

Impulsreferat:

Diskussion, individuelle Vorarbeiten zum Stammbaum, Nachbesprechung im Plenum

Dritte Einheit

Rückmeldung der Arbeit mit den bisher erfahrenen schicksalsanalytischen Aspekten mit Patienten und Patientinnen
Weiterarbeit in den Gruppen

Impulsreferat:

Kurzeinführung in den Szondi-Test

  • Testidee, Testaufbau, Testaussage
  • Struktur des Tests
  • Live-Demonstration des Tests

Erfassung des eigenen Szondi-Tests

Vierte Einheit

Diskussion der Testresultate und der Anwendung des Tests
Impulsreferat:
Schicksalsanalytische Bedürfnislehre
Struktur, Dialektik, Komplementarität
Vordergrund und Hintergrund
Umgang mit Bedürfnissen, gelebt, verneint, verdrängt
Diskussion, Konkretisierung und Vertiefung in den Gruppen anhand von Klientenmaterial
Plenum

Impulsreferat:
Gesundheit- und Krankheitslehre der Schicksalsanalyse
Gesundheitsförderung durch genotrope Aktualisierung der Bedürfnisse
Überführen der somatisierten Bedürfnisse in sozial verträgliches Ausleben

Diskussion, Konkretisierung und Vertiefung in den Gruppen anhand von Klientenmaterial
Aufbereiten von Vignetten aus der Praxis

Fünfte Einheit

Besprechung der Arbeit mit schicksalsanalytischen Modulen (Genosoziogramm, Symptome schicksalsanalytisch gedeutet, Deutungen, Gespräch mit Patientinnen und Patienten)
Szondi-Testresultate interpretieren und diskutieren
Impulsreferat:
Charakteranalyse aufgrund von trieb- und testpsychologischen Resultaten
Individuelle Arbeit: eigenes Stärke- und Schwächeprofil entwerfen
Besprechung von kritischen Befunden in den Gruppen

Sechste Einheit

Rückblick auf die vorherige Einheit, ev. Präsentation von Charakterstudien bei Klienten und Klientinnen
Impulsreferat:
Die Abwehrdispositionen des Ich in der schicksalsanalytischen Trieblehre
Abwehrformen an einigen Beispielen herausarbeiten
Schwächung der Abwehr um Entfaltungsraum zu schaffen
Impulsreferat:
Die Angst als hintergründige (unbewusste) Abwehrquelle
Formen der Angst
Triebangst des Ichs
Angstsymptome

Impulsreferat:
Übertragung und Gegenübertragung: Beschleuniger und Behinderer der psychosomatischen Arbeit
Besprechung in der Gruppe: Wie spüren wir die Übertragungszustände?
Übertragungsphänomene in der Praxis

Siebte Einheit

Bemerkungen, Fallbeispiele und Reaktionsbeobachtungen zu Übertragungs- und Abwehrphänomenen
Diskussion, persönliches Erleben, persönliche Reaktionen, eigene Abwehr und Distanzierungen

Impulsreferat:
Leiden und Gefahren in den Bedürfnisbereichen der Triebe
Im Plenum: Sammeln von Beispielen aus der Praxis
Einordnen in die Trieb- und Bedürfnisbereiche
Gruppenarbeit: Reflektieren der Verknüpfung von schädigenden Somatisierungen von Triebbedürfnissen mit einem psychischen Hintergrund

Impulsreferat:
Wann kann eine Kurztherapie angemessen sein?
Therapeutisches Bündnis
Ichstärkung
Nutzung der Körperwahrnehmung
Nutzung der unbewussten Triebdynamik
Nutzung des Gegenübertragungsgeschehens
Das Prinzip der kleinstmöglichen Schritte
Umgang mit Störungen
Spezialfall Trauma
Diskussion im Plenum, Aufgaben für die nächste Einheit
Wie sag ich’s meinem Patienten, meiner Patientin?
Aufgabe: mit Fallpatientinnen/-patienten therapeutische Lösungsschritte erarbeiten

Achte Einheit

Erfassen der offenen Fragen
Vertiefungen und thematische Ergänzungen
Kritischer Rückblick
Bericht über die Anwendung des Gelernten in der Praxis
Was soll wie weitergeführt oder zusätzlich angeboten werden?
Schlussreferat: Ausblicke der Schicksalsanalyse

Gemeinsames Mittagessen