Empathie wird nach Bedarf zugeschaltet

Empathie wird nach Bedarf zugeschaltet

Men­schen haben eine empa­thi­sche Grund­hal­tung, die sie davon abhält, ande­re zu quä­len. Die­se Hal­tung hat mit den Spie­gel­neu­ro­nen zu tun. Die Ner­ven­zel­len sor­gen dafür, dass wir lachen, wenn ande­re lachen, Ekel emp­fin­den, wenn ande­re sich ekeln, und Pein ver­spü­ren, wenn ande­re gepei­nigt wer­den. Des­halb schre­cken die meis­ten Men­schen davor zurück, ande­re zu quä­len, weil sie den Anblick ihres lei­den­den Opfers nicht ertra­gen könn­ten. Psy­cho­pa­then ken­nen die­se Hemm­schwel­le nicht. Sie quä­len und miss­han­deln auf mit­leid­lo­se, grau­sa­me und kalt­her­zi­ge Wei­se. Des­halb wur­de lan­ge Zeit ver­mu­tet, dass sie gar kei­ne Empa­thie besit­zen. Chris­ti­an Key­sers und sei­ne Kol­le­gen von der Uni­ver­si­tät Gro­nin­gen zei­gen nun in der neu­es­ten Aus­ga­be der Zeit­schrift „Brain“, dass die­se Sicht zu kurz gegrif­fen ist (doi:10.1093/brain/awt190). „Psy­cho­pa­then besit­zen sehr wohl die Fähig­keit zur Empa­thie“, sagt Key­sers, „aber sie müs­sen die­se Fähig­keit wil­lent­lich akti­vie­ren. Sie haben kei­ne unbe­wuss­te empa­thi­sche Grund­hal­tung. Empa­thie ist für Psy­cho­pa­then kein nor­ma­ler Habi­tus.“ (Gan­zer Text: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Online, WISSEN, 16. August 2013, Autorin: Hil­de­gard Kau­len)