Abwehr

Abwehr

A. Abwehr­me­cha­nis­men vor­wie­gend mit ICH-Reak­tio­nen (Ich-Ana­ly­se, S. 334, Sei­te oben ff.)

Abwehr­me­cha­nis­men sind unbe­wuss­te Ich-Funk­tio­nen. Die Abwehr­tä­tig­keit geht dem­nach vom Ich aus.
Die­se The­se schliesst aber nicht aus, dass das Ich nicht nur durch spe­zi­el­le Ich-Reak­tio­nen, son­dern auch durch Sexu­al-, Affekt- und Kon­takt­re­ak­tio­nen sich vor einer Trieb- bzw. Affekt­ge­fahr schüt­zen kann. Die “Orte” der Abwehr sind dem­nach ver­schie­den. Die Wege der Siche­rung füh­ren durch alle vier Zonen des Trieb­le­bens und lau­fen nicht nur im Ich ab.
Zusam­men­fas­send kann also über die Abwehr­ar­ten fol­gen­des fest­ge­stellt wer­den:
a) Das Objekt der Trieb­ge­fahr ist bei einem Abwehr­me­cha­nis­mus stets ent­we­der
1. eine Trieb­ge­fahr, oder
2. eine Vor­stel­lungs­ge­fahr, also die Gefahr bestimm­ter Vor­stel­lun­gen, die als Ersatz­bil­dun­gen der ver­pön­ten Trieb­an­sprü­che fun­gie­ren, oder
3. als Affekt­ge­fahr, d.h. eine Gefahr, her­vor­ge­ru­fen durch die Affek­te, die das gefahr­brin­gen­de Trieb­be­dürf­nis beglei­ten (z.B. Wut, Zorn, Rache, Eifer­sucht bei Aggres­si­on).
b) Die Abwehr geht stets vom Ich aus.
c) Das Ich benützt aber zur Abwehr ver­schie­de­ne Reak­tio­nen, d.h.: die Stät­te der Abwehr­ar­beit ist nicht nur das Ich, son­dern alle Gebie­te des Trieb­le­bens kön­nen kön­nen als Abwehr­ort benützt wer­den.

I. die pro­jek­ti­ven Abwehr­me­cha­nis­men
Das Gemein­sa­me bei die­ser Abwehr­grup­pe ist die Hin­aus­ver­le­gung bestimm­ter Es-Regun­gen aus dem Unbe­wuss­ten. Das Ich wehrt die Trieb­ge­fahr so ab, dass es die gefahr­brin­gen­den Stre­bun­gen und Vor­stel­lun­gen von sei­nem Sub­jekt abspal­tet und hin­aus­ver­legt. Auf der Grund der Ich-Ana­ly­se unter­schei­den wir fol­gen­de fünf Arten von pro­jek­ti­ven Abwehr­me­cha­nis­men:

1. Tota­le Pro­jek­ti­on

Die bei­den gegen­sätz­li­chen Stre­bun­gen eines Bedürf­nis­ses wer­den auf ein frem­des Objekt hin­aus­ver­legt.
Trieb- und Affekt­ge­fah­ren: Trieb­ziel­in­ver­si­on, Homo­se­xua­li­tät, Tötungs­drang (Sadis­mus, Aggres­si­on), Eifer­sucht, Neid, Wut, Hass, Zorn (KAIN)
Krank­heits­for­men: I. Ver­fol­gungs-, Beschul­di­gungs-, Beein­träch­ti­gungs­ide­en, epi­lep­ti­for­me Psy­cho­sen, Para­ly­se (Neu­ro­ti­ker und Kri­mi­nel­le zei­gen die tota­le Pro­jek­ti­on sehr sel­ten), II. Infan­ti­li­tät, III. Schwach­sinn

2. Infla­ti­ve Pro­jek­ti­on (ko, p+/-)

Die eine Stre­bung wird auf ein frem­des Objekt pro­ji­ziert, die ande­re will das Ich selbst sein. Die Pro­jek­ti­on regiert.
Trieb- und Affekt­ge­fah­ren: I. Mann-Frau-Dilem­men, II. Dilem­ma vom Kle­ben am Alten und Suchen des Neu­en, Bi-Objek­ti­vi­tät, III. Eifer­sucht, Neid und Kain im Hin­ter­grund
Krank­heits­for­men: 1. Pas­si­ve Homo­se­xua­li­tät beim Mann, 2. Affekt­tot­schlä­ger (aus Eifer­sucht), 3. Prä­mor­bi­de Pha­se vom Para­noi­den, 4. (sel­ten) Kon­ver­si­ons­hys­te­rie.

3. intro­jek­ti­ve Pro­jek­ti­on (k+, p-),

autis­tisch, all­hab­mäch­tig, all­schul­dig
Die bei­den gegen­sätz­li­chen und hin­aus­ver­leg­ten Stre­bun­gen eines Bedürf­nis­ses wer­den dem eige­nen Ich ein­ver­leibt.
Trieb- und Affekt­ge­fah­ren: 1. Sadis­mus, 2. Ana­li­tät (Analsadis­mus) 3. Wen­dung des Sadis­mus gegen die eige­ne Per­son, Maso­chis­mus, 4. Inzest­hass und Inzest­lie­be (ethisch-mora­li­sche Dilem­men), 5. Schuld- und Ver­sün­di­gungs­ide­en
Krank­heits­for­men: 1. Melan­cho­lie, 2. Autis­ti­sche Schi­zo­phre­nie, 3. Schwach­sinn, 4. Ein­bre­cher, 5. Feti­schis­mus, 6. Maso­chis­mus, 7. Exhi­bi­to­nis­mus

4. mit Zwang zurück­ge­hal­te­ne Pro­jek­ti­on, also Fluchtreaktion(k+/-, p-)

Bei­de hin­aus­ver­leg­ten Stre­bun­gen wer­den mit Zwang, d.h. teils durch Intro­jek­ti­on, teils durch Nega­ti­on zurück­ge­hal­ten.
Trieb- und Affekt­ge­fah­ren: 4.1. Tötungs­drang, 4.2. Flucht vor dem Bedürf­nis, das Lie­bes- oder Hass­ob­jekt zu töten, 4.3. der ödi­pa­le, infan­ti­le Kain
Krank­heits­for­men: 4.11. Porio­ma­nia epi­lep­ti­ca, 4.12. Porio­ma­nia para­noi­des,
4.13. genui­ne Epi­lep­sie, 4.14. Melan­cho­lie, 4.15. Stot­tern, 4.16. Klep­to­ma­nie, 4.17. Pyrio­ma­nie und anders­ar­ti­ge par­oxys­ma­le Mono­ma­ni­en.

5. gehemm­te Pro­jek­ti­on, d.h. Ent­frem­dung (k-,p+/-)

Das Ich ver­neint sowohl die pro­ji­zier­te wie auch die infla­ti­ve Stre­bung. Ver­nei­nung der Ver­las­sen­heit und der Weib­lich­keit. Depro­jek­ti­on durch Hem­mung.
Trieb- und Affekt­ge­fah­ren: Fixa­ti­on auf einer ana­len Stu­fe, 2. Inzest-Mord­an­sprü­che, 3. Neid, Eifer­sucht, Rache. (Im Vor­der­grund sind sie aber lamm­from­me Abel!!)
Krank­heits­for­men: 1. Mör­der (Raub- und Affektmörder),2.Hypo­chon­drie,
Kon­ver­si­ons­hys­te­rie.

Das Gemein­sa­me in allen fünf Arten der Pro­jek­ti­on besteht:
ers­tens
in der Hin­aus­ver­le­gung unbe­wuss­ter Sexu­al­re­gun­gen aus dem Sub­jekt,
zwei­tens
dar­in, dass fast stets auch inzes­tuö­se Kain-Affek­te pro­ji­ziert wer­den, also Eifer­sucht, Neid, Wut, Hass, Zorn und Rache.(…)
(Aus­führ­li­che Tabel­len in der Ich-Ana­ly­se, S.336 ff.)

B. Abwehr­me­cha­nis­men mit Ich- und Sexu­al­re­ak­tio­nen
Ein Abwehr­me­cha­nis­mus ist nach S. Freud ein Schutz des Ichs vor Trieb­an­sprü­chen und Affek­ten. Die­ser Schutz des Ichs ist im beson­de­ren vor Es-Regun­gen sexu­el­ler Natur not­wen­dig. Unser For­schun­gen haben die Ant­wort auf fol­gen­de Fra­gen gesucht:
Wehrt das Ich die Sexu­al­ge­fah­ren mit den glei­chen oder ver­schie­de­nen Mecha­nis­men ab?
I. Gegen die aktu­ell gestei­ger­te, grob­sinn­li­che Sexua­li­tät (S = ++, 0+, +0) wehrt sich das Ich auf vier ver­schie­de­ne Arten:
1. durch Negie­rung der hin­aus­ver­leg­ten Sexu­al­an­sprü­che, d.h. durch Anpas­sung und Drill (Sch -,-)
2. durch Ver­drän­gung (Sch -.0)
3. durch Ent­frem­dung (Sch -,+/- ambi) Ver­las­sen­heit
4. durch Flucht (Sch ambi, -).

II. Die Intro­in­fla­ti­on (Sch ++)
die tota­le Intro­jek­ti­on (Sch + 0)
die mit Zwang zurück­ge­hal­te­ne Infla­ti­on (Sch ambi,+)
die tota­le Infla­ti­on (Sch 0 +)

schei­nen die erfolg­reichs­ten Abwehr­wei­sen gegen die gefahr­brin­gen­den Sexu­al­an­sprü­che zu sein.
Durch die­se vier Abwehr­ar­ten kann dem­nach das Ich die drauf­gän­ge­ri­schen, grob­sinn­li­chen Sexu­al­an­sprü­che sozia­li­sie­ren bzw. huma­ni­sie­ren, und zwar des Öfte­ren in Form pas­si­ver, zivi­li­sier­ter Hin­ga­be (S 0, -, huma­ner Kul­tur­lie­be
(S -, 0, S -,-) oder in einer eher weib­lich-wei­chen Zärt­lich­keits­form ( S +,-).

III. Die Des­in­te­gra­ti­on (Sch 0,0)
die infla­ti­ve Pro­jek­ti­on (Sch 0, ambi)
die tota­le Infla­ti­on (0,+)
die tota­le Intro­jek­ti­on (+,0)
die infla­tiv pro­jek­ti­ve Intro­jek­ti­on (+, ambi)
die die tota­le Pro­jek­ti­on (0,-)
die negie­ren­de Infla­ti­on (Hem­mung) (-.+)
sind Abwehr­wei­sen, mit denen das Ich im beson­de­ren bise­xu­el­le Ansprü­che abzu­weh­ren ver­mag.

IV. Die Vor­pha­se der Intro­jek­ti­on (Sch +, ambi)
die Inte­gra­ti­on (ambi, ambi)
der Zwang (ambi, 0)
die Flucht (ambi,-)
ver­mö­gen unter Umstän­den die Sexu­al­trie­be völ­lig lahm­zu­le­gen, und zwar in Form von Ase­xua­li­tät, Absti­nenz, Fri­gi­di­tät (S 0,0).

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