Charakter

Charakter

«Bejaht das Ich eine beson­de­re Form und ein beson­de­res Stück sei­nes Zwangs­schick­sals [Zwangs­schick­sal: den durch die Ahnen beding­ten und uns auf­ge­zwun­ge­nen Teil des Schick­sals] und intro­ji­ziert es das die­sem Schick­sal ent­spre­chen­de Ahnen­bild in das Ich, dann spricht die Ich-Ana­ly­se von einer “fami­liä­ren Intro­jek­ti­on”. Die Fol­ge ist eine Ein­prä­gung und Aus­prä­gung die­ses Zwangs­stü­ckes des fami­liä­ren Schick­sals. Wir nen­nen die­ses ein­ge­präg­te Stück des fami­liä­ren Schick­sals: Cha­rak­ter. So kom­men fami­liä­re Cha­rak­ter­zü­ge zustan­de, die das Ver­hal­ten, die Stel­lung­nah­me und das Wert­sys­tem der Nach­kom­men bestim­men.»
(Szon­di, ICH-Ana­ly­se, S. 232)


«Schick­sal ist eine dyna­misch-funk­ti­onlle, dia­lek­ti­sche Koexis­tenz des Zwan­ges der Vor­fah­ren und der Frei­heit des wäh­len­den Ichs.(…) Cha­rak­ter ist das­je­ni­ge Stück des Schick­sals, wel­ches das Ich in das Ich, also in sich selbst, schon ein­ge­prägt hat.


Die­se Begriffs­be­stim­mung des Cha­rak­ters folgt aus fol­gen­den Ein­sich­ten:
1. Das per­sön­li­che Schick­sal ist Wahl des Ichs unter den vom Erbe vor­ge­leg­ten Ahnen­fi­gu­ren.
2. Der per­sön­li­che Cha­rak­ter ent­steht durch Ein­prä­gung eines Stü­ckes des Gewähl­ten durch das Ich in das Ich.
3. Wahl und Ein­prä­gung sind somit bei­des Ich-Funk­tio­nen, die aber ver­schie­de­ner Natur sind.
4. In der Wahl domi­niert die Pro­jek­ti­on, die Hin­aus­ver­le­gung bestimm­ter Inhal­te in die Aus­sen­welt aus dem per­sön­li­chen, fami­liä­ren und kol­lek­ti­ven Unbe­wuss­ten. Das vom Ich gewähl­te per­sön­li­che Schick­sal ist somit ein Pro­jek­ti­ons­pro­dukt.
5. Anders beim Cha­rak­ter. Cha­rak­ter ist nur das­je­ni­ge Stück des Schick­sals, das dem Ich schon durch das Ich ein­ver­leibt wur­de. Dar­aus fol­gen die nach­ste­hen­den Behaup­tun­gen:
– Ers­tens geht das Schick­sal dem Cha­rak­ter stets vor­aus.
– Zwei­tens ist der Begriff des Schick­sals stets grös­ser als der des Cha­rak­ters. Nicht alle Inhal­te, die vom Ich als sein Schick­sal gewählt wur­den, wer­den in das eige­ne Ich – als Cha­rak­ter­merk­ma­le – ein­ge­prägt. Das Ich kann ja so man­ches wäh­len, was nicht ein­ver­leibt udn in die Per­sön­lich­keit aus­ge­prägt wird.
– Drit­tens heisst Ein­prä­gung ich-psy­cho­lo­gisch so viel wie Intro­jek­ti­on. Cha­rak­ter ist somit ein Intro­jek­ti­ons­pro­dukt des wäh­len­den und ein­ver­lei­ben­den Ichs.
Wählt das Ich, so macht es – durch Pro­jek­ti­on – Schick­sal.
Prägt das Ich, so macht es – durch Intro­jek­ti­on – Cha­rak­ter.


Daher unse­re Defi­ni­ti­on:
Cha­rak­ter ist das von dem Ich durch Intro­jek­ti­on in das Ich ein­ge­präg­te Stück des Schick­sals.
Das durch das Ich aus dem Schick­sal in das Ich ein­ge­präg­te Stück wird durch die Wie­der­ho­lung der Ein­prä­gung im Lau­fe der Jah­re in die Per­sön­lich­keit immer stär­ker aus­ge­prägt. Somit bestimmt dann der Cha­rak­ter das Ver­hal­ten, die nor­ma­ti­ve Bewer­tung und alle aktu­el­len Stel­lung­nah­men der Per­son. Und somit wirkt der Cha­rak­ter auf das Schick­sal, von dem es selbst abstammt, zurück.» (Szon­di, ICH-Ana­ly­se, S. 369/370)

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