Glaube und Glaubensfunktion

Glaube und Glaubensfunktion

Glau­be
Der Glau­be in der Schick­sals­ana­ly­se
(Szon­di, Ich-Ana­ly­se, S. 30f.)
Die Schick­sals­ana­ly­se ist in vier Kon­zep­ten ver­an­kert: das eine ist
– die lebens­be­stim­men­de Struk­tur der vier Trie­be und der sie kon­sti­tu­ie­ren­den «Kom­ple­men­tä­ren Gegen­sät­ze»;
– das ande­re das «Fami­liä­re Unbe­wuss­te»;
– das drit­te der über Genera­tio­nen hin­weg wir­ken­de gene­tisch ver­an­ker­te Ein­fluss der Ahnen in der Wahl in Lie­be und Part­ner­schaft, Krank­heit, Freund­schaft, Beruf und Todes­art
– und vier­tens die Glau­bens­funk­ti­on als «pon­ti­fex oppo­si­torum» zum jen­seit­gen Höchs­ten.
Nur die Ver­knüp­fung des Ichs durch die Glau­bens­funk­ti­on mit dem jen­sei­ti­gen Höhe­ren lässt Leben sinn­voll erschei­nen.
«Die Schrift sagt: Gott ist Geist». (Szon­di, S. 523, Ich-Ana­ly­se)


«Die Schick­sals­ana­ly­se geht in der Bezie­hung der Tie­fen­psy­cho­lo­gie zur Reli­gi­on nicht ‘umwer­tend’, son­dern ‘ergän­zend’ und somit ‘inte­grie­rend’ vor. Sie ergänzt die Freud’sche Ich-Ana­ly­se mit der ‘Glau­bens­funk­ti­on’ des Ichs.
Glau­be ist für die Schick­sals­ana­ly­se eine beson­de­re Wei­se der mys­ti­schen Par­ti­zi­pa­ti­on, also ein Schick­sal des ich­haf­ten Par­ti­zi­pa­ti­ons­stre­bens.
Der Gläu­bi­ge wird von dem Urstre­ben der Par­ti­zi­pa­ti­on getrie­ben, mit einer geis­ti­gen Instanz, die über­per­sön­lich und über­na­tür­lich ist, eins und gleich, ver­wandt und ver­eint zu sein. die Par­ti­zi­pa­ti­on im Glau­ben ist mys­tisch, weil die Annä­he­rung des Men­schen an Gott mit dem Ziel der Ver­ei­ni­gung voll­führt wird. Sie ist posi­tiv, weil sie beja­hend ist, ist ist auch unun­ter­bro­chen, also peren­nis. So kommt die Schick­sals­ana­ly­se zu fol­gen­der Bestim­mung des Glau­bens:
Glau­be ist eine posi­ti­ve, mys­ti­sche ‘par­ti­ci­pio peren­nis’, in der sich das Ich mit einer geis­ti­gen Instanz ver­ei­nigt, auf die es die eige­ne All­macht über­trägt. (her­vor­ge­ho­ben durch Szon­di)
Der Glau­be ist somit eine Ich-Funk­ti­on. Die Geburt der Reli­gi­on wird durch die Exis­tenz des Ichs bedingt. Ohne Ich gibt es kei­nen Glau­ben. Die All­macht­über­tra­gung auf den Geist stammt eben von dem Ich.
Das über­trägt ja im Glau­ben sei­ne eige­ne mit­ge­brach­te Macht zum Sein auf den Geist. Ohne die­se Ich-Funk­ti­on der All­macht­über­tra­gung auf die höchs­te geis­ti­ge Instanz gibt es kei­nen Glau­ben. Dies will natür­lich nicht sagen, dass die höchs­te geis­ti­ge Instanz an sich – d.h. ohne die Macht­über­tra­gung – nicht all­mäch­tig sei. (…) Durch die All­macht­über­tra­gung gelingt es dem Ich, eine ewi­ge Par­ti­zi­pa­ti­on zu erlan­gen, mit die­sem Geist eine dia­lo­gi­sche Begeg­nung im Sin­ne Mar­tin Bubers zu erle­ben.
Wir stel­len fol­gen­de fünf Bedin­gun­gen der geis­ti­gen Glau­bens­funk­ti­on auf:
1. Die Exis­tenz der höchs­ten geis­ti­gen Instanz
2. Die Exis­tenz des Ichs
3. Die Eröff­nung die­ses Ichs nach oben zum Geist, d.h. die Exis­tenz einer ‘aper­tu­ra ad coel­um’
4. Die All­macht­über­tra­gung des Ichs auf den Geist
5. Die Ver­wirk­li­chung der posi­ti­ven Par­ti­zi­pa­ti­on mit dem Geist im Leben und Ver­hal­ten.
Fehlt eine die­ser Bedin­gun­gen oder wird nur einer die­ser bedin­gen­den Exis­ten­zen von dem Ver­stand in Zwei­fel gezo­gen, so ist die Glau­bens­funk­ti­on gestört. Die Stö­run­gen der Glau­bens­funk­ti­on sind u.E. Stö­run­gen der Ich-Funk­ti­on.»
(Szon­di, Ich-Ana­ly­se, S. 30f.)
(fett aus­ge­zeich­net durch Alt.)


Die Glau­bens­funk­ti­on – die Brü­cke vom Dies­seits zum Jen­seits


«Der [Gläu­bi­ge] ver­leug­net die irdi­sche Welt auch nicht, er öff­net aber sein Ich für die höchs­te Macht­in­stanz und bil­det eine Par­ti­zi­pa­ti­on, eine Dual­uni­on mit Gott und dem hei­li­gen Geist. So wird er ein Gläu­bi­ger.» (Szon­di, Ich-Ana­ly­se, S. 411)


Der Glau­be
«Der Glau­be ist eine Bedin­gung der Inte­gra­ti­on nach innen und nach aus­sen. Rich­tig par­ti­zi­pie­ren, d.h. gleich­zei­tig eins sein mit en äus­se­ren Objek­ten der Natur­welt und mit dem über­na­tür­li­chen Geist der Jen­sei­tig­keit kann nur das­je­ni­ge Ich, wel­ches mit sei­nen inne­ren Exis­tenz­mög­lich­kei­ten eins sein kann. Das kann aber nur der, der glaubt. Die auto­ge­ne, inne­re Par­ti­zi­pa­ti­on des Ichs an sich selbst ist somit eine Vor­be­din­gung zu den natür­li­chen und über­na­tür­li­chen Par­ti­zi­pa­tio­nen, d.h. zu dem Eins­sein mit der Umwelt und mit dem Geist.» (Szon­di, Ich-Ana­ly­se, S. 522)


Die Glau­bens­funk­ti­on
«Wir haben die Kluft zwi­schen Rea­li­tät der dies­sei­ti­gen Natur­welt und der Rea­li­tät der jen­sei­ti­gen Geis­tes­welt eben durch das tran­szen­die­ren­de, inte­grie­ren­de und par­ti­zi­pie­ren­de Ich als «Pon­ti­fex oppo­si­torum» über­brückt.
Wir neh­men eine beson­ders tran­szen­die­ren­de Ich-Funk­ti­on an, einen see­li­schen Über­stieg, der von dem näm­li­chen Ich, wel­ches sich in der Dies­sei­tig­keit der Natur­wirk­lich­keit bewegt, nach der Jen­sei­tig­keit der natür­li­chen Rea­li­tät strebt, und nen­nen sie: Glau­bens­funk­ti­on. (…)


Bei der Glau­bens­funk­ti­on ist die Macht­über­tra­gung [im Gegen­satz zum Wahn] eine völ­lig ande­re. Das Ich der Gläu­bi­gen eröff­net sich nach der Rich­tung des geis­ti­gen Jen­seits. Das ich tran­szen­diert zum Geist. Es ent­steht im Ich eine ‘aper­tu­ra ad coel­um’, durch die das Ich zu über­stei­gen ver­mag und die gefahr­brin­gen­de All­macht auf eine jen­sei­ti­ge obers­te Instanz – auf den Geist – über­trägt, der die All­macht erträgt. Von nun an lässt sich das Ich von die­sem all­mäch­ti­gen Geist füh­ren. Von die­ser jen­sei­ti­gen Instanz erhält das Ich einen Teil der über­tra­ge­nen All­macht zurück. Mit die­sem per­sön­li­chen Macht­an­teil hat das Ich eine per­sön­li­che Auf­ga­be und Ver­ant­wor­tung über­nom­men, die es nun ein Leben lang zu tra­gen hat.»
(Szon­di, Ich-Ana­ly­se, S. 512)


A. «Wel­che Instanz der See­le fun­giert als die glau­ben­de?
Die Schick­sals­psy­cho­lo­gie kennt sechs Fak­to­ren, wel­che in der Ent­ste­hung irgend­ei­ner schick­sals­be­din­gen­den Funk­ti­on als Domi­nan­ten in Fra­ge kom­men kön­nen. Dies sind:
1. Das kol­lek­ti­ve und fami­liä­re Erbe
2. Die per­sön­li­che Trieb­na­tur [d.h. die indi­vi­du­el­le Trieb­be­dürf­nis­kon­stel­la­ti­on]
3. Die sozia­le Umwelt
4. Die Ver­nunft, der Intel­lekt und die sog. Men­ta­li­tät
5. Der Geist
6. Das Ich.


Im Ein­zel­nen:
1.Das Erbe und der Glau­be
Es ist unbe­streit­bar, dass die Glau­bens­funk­ti­on eine kol­lek­ti­ve, all­men­sch­li­che und auch eine fami­liä­re Grund­la­ge hat. (…) Der Glau­be trägt somit das Zei­chen des von Raum und Zeit los­ge­lös­ten Kol­lek­ti­vums. Der Glau­be ist im Sin­ne C.G. Jungs ein Pro­dukt des kol­lek­ti­ven Unbe­wuss­ten. Auch die Tat­sa­che ist wohl­be­kannt, dass die Glau­bens­funk­ti­on, ihre Stär­ke und Wei­se einen beson­de­ren fami­li­är ange­leg­ten Cha­rak­ter trägt. Das kol­lek­ti­ve und fami­liä­re Erbe stellt somit einen gewich­ti­gen Fak­tor im Glau­ben dar. Die Erb­fak­to­ren bedin­gen eine inne­re Dis­po­si­ti­on, die Anla­ge, d.h. nur die inne­re Bereit­schaft der Per­son zum Glau­ben. Die Rol­le des Erbes in der Ent­ste­hung der Glau­bens­funk­ti­on ist somit nur eine dis­po­si­tio­nel­le.
2. Die Trieb­na­tur und der Glau­be
Kei­ne Stel­lung­nah­me Szon­dis, son­dern nur ande­re Autoren zitiert
3. Die sozia­le, im Beson­de­ren die erzie­he­ri­sche Umwelt und der Glau­be
Die Umwelt­fak­to­ren kön­nen somit die Mani­fes­ta­ti­ons­be­reit­schaft der Glau­bens­funk­tio­nen för­dern oder hem­men, sie sind aber den­noch nicht die allein­be­stim­men­den Fak­to­ren.
4. Ver­nunft und Glau­be
Schei­nen sich des öfte­ren aus­zu­schlies­sen. Die Ver­nunft ver­langt Bewei­se und zwei­felt an allem, was man nicht zu bewei­sen ver­mag. Der Glau­be hin­ge­gen ist das Erle­ben des Eins­seins, der mys­ti­schen Par­ti­zi­pa­ti­on an dem Geist. Die­ses Erleb­nis ist zwar wirk­lich, aber nicht ratio­na­li­sier­bar und beweis­bar. Ver­nunft bestimmt den Glau­ben nicht, er zwei­felt ihn an.
5. Der Geist und der Glau­be
Der Geist ist nicht die Funk­ti­on, son­dern das Objekt des Glau­bens. Geist ist das erhal­ten­de Prin­zip der Jen­sei­tig­keit.
Wer den Begriff des Geis­tes setzt, der glaubt auch an die Wirk­lich­keit der Jen­sei­tig­keit. Wer die Wirk­lich­keit des Geis­tes in Fra­ge stellt, der zwei­felt an der Ratio­na­li­tät der Jen­sei­tig­keit. (…) Ver­stand und Geist kön­nen zwar in einem Men­schen zusam­men­tref­fen, den­noch sind sie grund­ver­schie­de­ne Instan­zen.
Die Welt jen­seits der Natur wird durch den Geist geschaf­fen und von dem Geist regiert. Sie ist eine Welt über der Welt der Natur. (…) Die Welt des Geis­tes ist über­na­tür­lich und über­per­sön­lich. Der Geist wohnt somit nicht im Men­schen, er steht über den Men­schen. [Im Men­schen woh­nen die Trie­be].
6. Das Ich und der Glau­be
Wir sagen: Der Geist ist das Wahl­ob­jekt und nicht die Funk­ti­on des Glau­bens.
Die­je­ni­ge see­li­sche Instanz, die an den Geist glaubt oder an ihm zwei­felt, ist das Ich.


‘Glau­ben’ ist eine beson­de­re tran­szen­die­ren­de Tätig­keit des Ichs, die wir eben die Glau­bens­funk­ti­on nen­nen. Als Ich-Ana­ly­ti­ker müs­sen wir die­se beson­de­re Tran­szen­denz des Ichs in zwei Rich­tun­gen prü­fen. Dies sind:
1. Die Art der Macht­über­tra­gung und
2. Die Art der Par­ti­zi­pa­ti­on.
Anti­zi­pie­rend haben wir schon den Glau­ben bestimmt:
Glau­be ist eine posi­ti­ve, mys­ti­sche, par­ti­ci­pio peren­nis des Ichs an einer geis­ti­gen Instanz, auf die das Ich die All­macht über­trägt. Ich-funk­tio­nell sagt die­se Bestim­mung über die Glau­bens­funk­ti­on fol­gen­des aus:
I. Glau­be ist eine Funk­ti­on des Ichs. Ohne Ich gibt es kei­nen Glau­ben. Die Exis­tenz der Reli­gi­on wird durch die Exis­tenz des Ichs bedingt. Glau­be ist das Tran­szen­die­ren des Ichs in das Reich des Geis­tes. Könn­te das Ich nicht tran­szen­die­ren, so gäbe es kei­ne Reli­gi­on.
II. Die All­macht­über­tra­gung auf den Geist stammt vom Ich. Das Ich über­trägt sei­ne eige­ne mit­ge­brach­te All­macht auf den Geist. Ohne die­se All­macht­über­tra­gung auf die höchs­te geis­ti­ge Instanz gibt es kei­nen Glau­ben Dies will aber nicht sagen, dass der Geist ohne die­se Macht­über­tra­gung nicht all­mäch­tig sei.
III. Durch All­macht­über­tra­gung auf den Geist gelingt es dem Ich, mit dem Geist eine Par­ti­zi­pa­ti­on, also ein Eins­sein her­zu­stel­len. Das Beson­de­re die­ser Par­ti­zia­ti­on im Glau­ben besteht dem­nach in fol­gen­dem:
IV. Die Par­ti­zi­pa­ti­on im Glau­ben ist mys­tisch, weil die Annä­he­rung des Men­schen an Gott mit dem Ziel der Ver­ei­ni­gung voll­führt wird. Sie ist beja­hend, also posi­tiv, und peren­nis, also unun­ter­bro­chen.
V. Die Gebor­gen­heit und die Sicher­heit bei die­ser Par­ti­zi­pa­ti­on ist dem­nach opti­mal. Sie gleicht am meis­ten den mys­ti­schen Par­ti­zi­pa­tio­nen der Pri­mi­ti­ven (Lévy-Bruhl) und der Dual­uni­on zwi­schen Mut­ter und Kind in der Gebär­mut­ter und zur Zeit des Stil­lens. Auch die Ent­zü­ckung des Beten­den weist auf die­se Art des urspüng­li­chen Eins­seins hin.
VI. Die Glau­bens­funk­ti­on ermög­licht dem Ich, mit dem Geist ewig­lich zusam­men zu sein, sich mit ihm eins, gleich und ver­wandt zu füh­len. Dies bedeu­tet aber nicht, dass das Ich selbst zum Geist wer­den könn­te. Das Ich bleibt stets das per­sön­li­che Ich und der Geist stets der per­sön­li­che Geist. Die Par­ti­zia­ti­on bezieht sich nur auf das Anteil­ha­ben des per­sön­li­chen Ichs an der All­macht des über­per­sön­li­chen Geis­tes. Die Par­ti­zi­pa­ti­on ermög­licht also nur die Begeg­nung, nur das Zusam­men­tref­fen, nur die dia­lo­gi­schen Gesprä­che mit dem Geist im Sin­ne von Mar­tin Buber.
VII. Der Glau­be hat somit fol­gen­de fünf Bedin­gun­gen:
1. Die Exis­tenz der höchs­ten geis­ti­gen Instanz;
2. Die Exis­tenz eines Ichs;
3. Die Eröff­nung die­ses Ichs nach oben zum Geist, d.h. die Exis­tenz einer aper­tu­ra as coel­um;
4. Die All­macht­über­tra­gung des Ichs auf die geis­ti­ge Instanz;
5. Die posi­ti­ve, beja­hen­de Par­ti­zi­pa­ti­on mit dem Geist.
Fehlt eine die­ser Bedin­gun­gen oder wird eine die­ser bedin­gen­den Exis­ten­zen von dem Ver­stand in Zwei­fel gezo­gen, so ist die Glau­bens­funk­ti­on gestört.(…)


B. Der Glau­be und die Macht
(S. 519) Woher, aus wel­cher Ener­gie­quel­le strömt die Kraft zum Glau­ben? Wir ant­wor­ten: aus der All­macht des Men­schen. Was ist die­se Macht? Wir sagen: Zunächst ist Macht die Kraft zum Sein. [vis vita­lis: Hen­ri Berg­son, Hans Driesch, Edgar Dac­qué,] Wir nen­nen die­se Macht Seins­macht ℗ und unter­schei­den sie von der Kraft zum Haben, also von der Hab­macht (k), die stets sekun­dä­rer Natur ist [und daher leich­ter ein­ge­schränkt, iso­liert und ver­neint wer­den kann]. Wäh­rend die Kraft zum Sein durch die geis­ti­ge p-Funk­ti­on des Ichs bedingt ist, bin­den wir die Kraft zum Haben an die mate­ria­lis­ti­sche k-Funk­ti­on. Im Glau­ben ist an ers­ter Stel­le die p-Funk­ti­on tätig. (…) Wir las­sen Roma­no Guar­di­ni, den reli­giö­sen Phi­lo­so­phen, spre­chen. Er sagt: ‘Der Mensch muss das vol­le Mass sei­ner Ver­ant­wor­tung erken­nen und auf sich neh­men. Um das aber zu kön­nen, muss er wie­der das rich­ti­ge Ver­hält­nis zur Wahr­heit der Din­ge [Husserl: Zurück auf die Sache selbst!], zu den For­de­run­gen sei­nes tiefs­ten Inne­ren und, letzt­lich, zu Gott gewin­nen. Sonst ver­fällt er sei­ner eige­nen Macht, und die glo­ba­le Kata­stro­phe wird unaus­weich­lich’.» (Szon­di, Ich-Ana­ly­se, S. 521)
C. Wozu glaubt der Mensch? Die Fina­li­tät des Glau­bens.
(S.522) Das Ich darf die All­macht nicht ein­sei­tig und aus­schliess­lich auf eine Objekt über­tra­gen. Das Ich darf nie die Seins­macht nur auf eine ein­zi­ge Instanz der inne­ren und äus­se­ren, der mensch­li­chen und über­mensch­li­chen Welt über­tra­gen. Das Ich muss pro­por­tio­na­le wäh­len und die Macht pro­por­tio­nal unter allen Instan­zen ver­tei­len, die die Macht zum Sein begie­rig wün­schen.
> Nur wenn das Ich pro­por­tio­nal mehr­sei­tig wählt, kann es den Seins­hun­ger der mul­ti­plen Ich-Exis­ten­zen, die es mit sich gebracht hat, so weit stil­len, dass die hung­ri­gen Exis­ten­zen der Ahnen­fi­gu­ren es nicht mit Zer­stö­rung bedro­hen.
Die pro­por­tio­na­le Macht­ver­tei­lung unter den ver­schie­de­nen Ich-Exis­ten­zen, die wich­ti­ge Über­tra­gung der Macht auf die natür­li­chen Objek­te der Umwelt und auf die über­na­tür­li­chen Ide­en, Idea­le der Geis­tes­welt, ist aber eine fast ‘unmensch­li­che’ Auf­ga­be für das Ich. Und dazu braucht es den Glau­ben. Es ist also nicht erstaun­lich, dass dies dem Ich nur dann gelin­gen kann, wenn es opti­mal zu tran­szen­die­ren und zu inte­grie­ren, d.h. zu glau­ben ver­mag.
 Die rich­ti­ge Macht­ver­tei­lung gelingt in der Tat nur dem glau­bend inte­grier­ten und am Geist par­ti­zi­pie­ren­den Ich.
Denn nur dem glau­ben­den Ich kann es gelin­gen, sei­ne inne­ren Seins­mög­lich­kei­ten, d.h. sei­ne mög­li­chen Ich-Exis­ten­zen so mit­ein­an­der zu ver­ei­ni­gen und zu ver­söh­nen, dass durch die­se inne­re, auto­ge­ne (aus sich selbst ent­wi­ckeln­de) Par­ti­zi­pa­ti­on aller Teil­exis­ten­zen das Ich als pon­ti­fex oppo­si­torum zu wir­ken ver­mag.
Der Glau­be ist eine Bedin­gung der Inte­gra­ti­on nach innen und nach aus­sen.
Rich­tig par­ti­zi­pie­ren, d.h. gleich­zei­tig eins sein mit den äus­se­ren Objek­ten der Natur­welt und mit dem über­na­tür­li­chen Geist der Jen­sei­tig­keit kann nur das­je­ni­ge Ich, wel­ches mit sei­nen inne­ren Exis­tenz­mög­lich­kei­ten eins sein kann. Das kann aber nur der, der glaubt. Die auto­ge­ne, inne­re Par­ti­zi­pa­ti­on des Ichs an sich selbst ist somit eine Vor­be­din­gung zu den natür­li­chen und über­na­tür­li­chen Par­ti­zi­pa­tio­nen, d.h. zu dem Eins­sein mit der Umwelt und mit dem Geist.
Dar­in besteht die Fina­li­tät des Glau­bens. Denn. Die gröss­te Hil­fe erhält das Ich in die­ser ‘über­mensch­li­chen’ Auf­ga­be der rich­ti­gen Macht­ver­tei­lung stets vom Geist. Gelingt es dem Ich, sich nach oben in der Rich­tung des Geis­tes zu eröff­nen, dann hat die Per­son die gröss­te Chan­ce zu einem inte­grier­ten ‘huma­nen’ Wahl­schick­sal.
D. Die Wahl­ob­jek­te des Glau­bens
Glau­ben ist Schick­sal. Schick­sal ist die Wahl. Somit hän­gen Glau­bens­schick­sal von der rich­ti­gen Wahl der Glau­bens­ob­jek­te ab. Glau­be ist die beja­hen­de, mys­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on an dem Geist, auf den die Per­son ihre eige­ne All­macht über­trägt.
Die Schrift sagt: Gott ist Geist.
Hal­ten wir uns streng an die­se Defi­ni­ti­on des Geis­tes, so folgt dar­aus, dass nur eine Wahl des Glau­bens­ob­jek­tes rich­tig ist: der Glau­be an Gott.» (Szon­di, S. 522f.)

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