Transzendente Traum

Transzendente Traum

 

«Während der Arbeit mit transzendenten Träumen ereignet sich das, was ich ‘intuitive Interpretationsbestätigung’ nenne. Sie entsteht durch ‘plötzliche Eingebung’ und erlangt dadurch für die Betroffenen Gewissheit, so, wie es der Patient eben schilderte. Im Widerstreit zwischen Verstand und Intuition hat immer die Intuition den Vorrang.

Die fatale Verbindung zwischen Mutter und Sohn – als Ereignis der Vorsehung – hat jedoch unbesehen von einer solchen Annahme auch einen vorgeburtlichen Zusammenhang. Als die Mutter des Patienten geboren würde, wusste überhaupt niemand, dass sie dereinst diesen Sohn gebären würde. Auch nicht, dass die beiden – zu einer damals in der Zukunft liegenden Zeit – durch ein suizidales Schockerlebnis miteinander unglücklich verknüpft werden würden. Solche, über jedes Wissen hinausgehende Zusammenhänge, sin die ‘blinden Flecken’ in jeder Biografie.

Was Menschen zu wissen und zu sehen bekommen, sind der Beginn, der Verlauf und das Ende des Lebens. Alles was sich mutmasslich davor und danach ereignete bzw. ereignen wird, liegt ausserhalb des menschlich Begreif- und Beeinflussbaren. Transzendente Träume bringen Licht in diese Dunkelheit. Die schicksalshafte Verknüpfung von Mutter und Kind, die der Film ‘Ein Zug nach Manhatten’  als Parabel direkt aufdrängt, war unübersehbar. Sie bezog sich zwar auf das traumatische Erlebnis, doch der unübersehbare Bezug zur Filmparabel machte unmissverständlich klar, dass es sich beim verhinderten  Selbstmordversuch der Mutter des Patienten zugleich um einen Akt der Vorsehung gehandelt hatte.

An diesem Beispiel kann gezeigt werden, dass ein persönlich erlittenes Trauma gleichzeitig ein Akt der Vorsehung ist. Transzendente Träume nehmen beides auf. Sie schliessen die Lücken, erklären die verborgen gebliebenen Zusammenhänge und geben Einblick in die Wirkungsweise der Vorsehung.»

Kürsteiner, Gerhard: Transzendenz, S. 263f.,