Wohin, Woher und Warum? Die Schicksalsfragen

Wohin, Woher und Warum? Die Schicksalsfragen

Die Frage ist doch die, ob wir existieren, um unseren Vorfahren nachzueifern und ihrem psychischen Erbe nachzuleben – zu kopieren – oder ob wir etwas eigenes zustande bringen, oder ob wir existieren, um wie eine Blume, eine Schnecke oder einen Regenschauer einfach da zu sein und uns nach einer gewissen Zeit aufzulösen? Ist das erstere der Fall, erfüllen wir eine Auflage, die in der Familienkarawane über grosse Zeiträume hinweg mitgeschleppt wird  irgendwann in einer «Finalität» endigt. Für das Finale müssen wir aber etwas tun und unser Ahnenschicksal abarbeiten. Damit wäre die Schicksalsanalyse eine Schattierung des buddhistischen Glaubens. Das wäre eine Schicksalsbestimmung mit letztlich tröstlicher Perspektive, denn einmal ist es fertig.  Aber ist es so? Szondi liess sich da nicht auf die Äste hinaus. Er hätte es nur gern gesehen, wenn sich die Menschen einigermassen human durchs Leben schlügen. Doch human ist, wie Brecht schon sagte, alles tun, um am Leben zu bleiben.

Hier ein Zitat, der guten Bildung willen: die folgenden Zeilen stammen aus der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht (1928). In der „Ballade über die Frage: Wovon lebt der Mensch?“ heißt es:

Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müßt ihr uns schon zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsere Bravheit liebt
Das Eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.

Da interessierte nun Szondi die Frage, woher das getrieben Sein des Menschen kommt. Ein Treiben und ein Getriebe, das rasch über Moral und Gut-Mensch-sein hinweg spült. 

(Demnächst geht’s weiter im Text!)