Die Schicksalsanalyse

 

Das fami­liä­re Erbe in den Genen bil­det eine wesent­li­che Grund­la­ge der mensch­li­chen Exis­tenz. Die­ses gene­ti­sche Poten­ti­al reprä­sen­tiert Exis­tenz­for­men und Lebens­ge­stal­tun­gen der Vor­fah­ren in Lie­be, Krank­heit, Beruf, sozia­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on und Fami­lie. Im Men­schen wird die­ses Erbe durch die in vier Trie­ben gestal­te­ten indi­vi­du­el­len Kom­po­si­tio­nen wie­der leben­dig. Das Pos­tu­lat der Schick­sals­ana­ly­se ist, dass jeder Mensch sei­nem Erbe nicht zwangs­mäs­sig unter­wor­fen ist, son­dern aus einer gros­sen Zahl von Exis­tenz­mög­lich­kei­ten eine gute Wahl tref­fen kann.

 

Seit über 40 Jah­ren wer­den am Szon­di-Insti­tut schick­sals­ana­ly­ti­sche Psy­cho­the­ra­peu­tin­nen und Psy­cho­the­ra­peu­ten aus­ge­bil­det. Das Szon­di-Insti­tut in Zürich ist ein Lehr- und For­schungs­in­sti­tut der von Leo­pold Szon­di begrün­de­ten Schick­sals­ana­ly­se. Es wur­de 1970 gegrün­det.

 

Die Schick­sals­ana­ly­se, wie sie in ange­wand­ter Form als «Schick­sals­ana­ly­ti­sche Psy­cho­the­ra­pie» gelehrt wird, fusst auf der Erkennt­nis, dass Eigen­schaf­ten, Ver­hal­tens­wei­sen, Nei­gun­gen und Abnei­gun­gen, psy­chi­sche Stö­run­gen sowie die Wahl in Lie­be, Freund­schaft, Beruf, sozia­len Bezie­hun­gen, Krank­heit und Tod zu einem wesent­li­chen Teil von unse­rem Erbe bedingt sind. Leo­pold Szon­di bezeich­ne­te die­se Ver­er­bung als «Zwangs­wahl» des Indi­vi­du­ums.

 

Die­ser sog. «Zwangs­wahl» setzt die Schick­sals­ana­ly­se die Mög­lich­keit der Frei­heits­wahl ent­ge­gen, indem der Mensch auf sei­ne eben­falls im Erb­gut vor­han­de­nen – und schon ein­mal von Ahnen geleb­ten – bes­se­ren Fähig­keits­po­ten­zia­le zugreift. Die Bewusst­ma­chung die­ser Erb­po­ten­zia­le und deren Akti­vie­rung sind ein wesent­li­ches Ziel der schick­sals­ana­ly­ti­schen The­ra­pie.

 

Die Schick­sals­ana­ly­se hat als Ent­fal­tungs-, Ereig­nis- und Lebens­raum eine Struk­tur von vier Trie­ben ent­wi­ckelt, die sich in acht Bedürf­nis­sen und sech­zehn Ten­den­zen auf­fä­chert. Das Bedürf­nis­sys­tem ist dia­lek­tisch ange­legt, das heisst, dass immer je zwei Bedürf­nis­se als gegen­sätz­li­che Stre­bun­gen – als kom­ple­men­tä­re Gegen­sät­ze – erschei­nen, aber als ver­schmol­ze­ne Ganz­heit agie­ren. In Trieb­pro­zes­sen ent­wi­ckeln sich sowohl unse­re indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se als auch psy­chi­sche Stö­run­gen und Erkran­kun­gen. Der Bil­der­wahl­test nach Szon­di ist das Instru­ment, um die indi­vi­du­el­le Gestal­tung der Trieb­pro­zes­se des Indi­vi­du­ums zu erfas­sen.

 

Die schick­sals­ana­ly­ti­sche Psy­cho­the­ra­pie zielt dar­auf hin, die nütz­li­chen, posi­ti­ven, schöp­fe­ri­schen und schüt­zen­den Res­sour­cen des Indi­vi­du­ums im Rah­men des Trieb­sys­tems zu akti­vie­ren. In die­sem Zusam­men­hang wird den Erb­po­ten­zia­len der Per­son mit­tels the­ra­peu­ti­scher Inter­ven­ti­on der Weg zur Unter­stüt­zung der ange­streb­ten Ich-Stär­kung frei­ge­macht.

 

Die Schick­sals­ana­ly­se sieht ein gros­ses Hei­lungs­po­ten­zi­al in der Wahl des Berufs sowie im kul­tu­rel­len und im sozia­len Enga­ge­ment. Sie kann mit­tels ihres dia­gnos­ti­schen Instru­men­ta­ri­ums (Szon­di-Bil­der­wahl­test und Ana­ly­se des Geno­so­zio­gramms) einen Tätig­keits­be­reich auf­zei­gen, der ein Mehr an Befrie­di­gung bie­tet. Ana­log dazu ver­än­dert sich auch die Bezie­hungs­qua­li­tät zu ande­ren Men­schen; ein wach­sen­des Selbst­wert­emp­fin­den und ein gestärk­tes Selbst­be­wusst­sein füh­ren zu einem zwang­lo­se­ren und kon­flikt­freie­ren Ver­hält­nis zu Mit­men­schen, zu sozia­ler und gesell­schaft­li­cher Umwelt. Das Ziel der schick­sals­ana­ly­ti­schen The­ra­pie ist die For­mie­rung einer selbst­be­stimm­ten Per­sön­lich­keit.