Traumdeutung 2

Traumdeutung 2

Fehler bei der Traumdeutung

Ein häufiger Fehler bei der Traumauslegung ist, alle Träume nur auf der sexuellen Ebene zu deuten. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass bestimmte Träume über verborgene Ich-Funktionen, d.h. über krankhafte Projektionen, Inflationen, Introjektionen und negativistische Destruktionen latenter Ahnenfiguren Mitteilungen liefern. Man muss daher auch die Ich-Träume und Ahnen-Träume genauso beachten und auslegen können wie die Triebträume, sonst verliert der Analytiker die Möglichkeit, den Patienten mit den verborgenen hereditären Ich-Veränderungen zu konfrontieren.

Ein weiterer Fehler der Traumdeutungen  vor allem bei den traumatischen Neurosen – ist, dass man neben dern verborgenen Triebstrebungen den krankmachenden Affektstörungen zu wenig Beachtung schenkt. Dieser Fehler stammt daher, dass man die Affekte als quasi Suffixe der Triebe oder – wie P. Federn es glaubt – als eine Ich-Funktion auffasst. (…) Für den Schicksalsanalytiker sind Affektbewegungen eigenständige, oft von den Sexualtrieben völlig  unabhängige, seelische Vorgänge – auch wenn wir selbstverständlich wissen, dass die Affekte die Sexualtriebe – quasi als Musik – begleiten. Aber Affekte begleiten nicht nur die Sexualtriebe, sondern auch die Ich-Vorgänge, die Kontakt- und Denkprozesse, kurz alles, was sich in der Seele abspielt. Und noch mehr: es gibt eine selbständige Gruppe der Affektneurosen und Affektpsychosen, zu der die Schicksalsanalyse alle Variationen der epileptiformen und hysteriformen Erkrankungen zählt. Diese folgen einem selbständigen Erbgang und erzeugen somit eine selbständige klinische Symptomatik. Man muss deshalb in der Behandlung unabhängig von der Ich- und Trieb-Analyse auch eine Affekt-Analyse durchführen.