Triebenergie

Triebenergie

«Die Theo­rie der Scha über die Ener­gie­quel­len der Trie­be lau­tet dem­nach:


1. Jeder Trieb­fak­tor besitzt sei­ne eige­ne spe­zi­fi­sche nicht umwan­del­ba­re Ener­gie­quel­le.
Die Trieb­leh­re der Scha arbei­tet somit nicht mit einer, son­dern mit acht beson­de­ren Trie­bener­gie­quel­len.
(…) Die Instanz die sich wech­selt, ist stets das Ich und nicht eine gene­rel­le psy­chi­sche Ener­gie. Das sich wan­deln­de Ich mobi­li­siert ein­mal die eine, ein ander­mal die ande­re beson­de­re Trie­bener­gie. Das Ich stellt ein­mal die­se, ein ande­res Mal eine ande­re Trieb­kraft in den Vor­der­grund des see­li­schen Seins, wäh­rend es alle ande­ren Ener­gie­quel­len vor­über­ge­hend im Hin­ter­grund belässt. [Neue­re For­schun­gen gehen davon aus, dass die jewei­li­gen Span­nungs­fel­der der Trieb­be­dürf­nis­se eine wesent­lich grös­se­re, eige­ne Auto­no­mie haben und nur unter “Zwang” dem Ich Ener­gie abtre­ten.] Es wird somit nicht stets die­sel­be Ener­gie auf den ver­schie­de­nen Ebe­nen des See­len­le­bens hin und her gescho­ben und umge­setzt, son­dern das stets dyna­mi­sche Ich wählt von den ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den acht Trieb­quel­len jeweils die Ener­gie­quel­le aus, die sei­nem aktu­el­len Bedürf­nis am meis­ten ent­spricht.


2. Die Gen­theo­rie der Trie­be nimmt an, dass die beson­de­ren Ener­gie­quel­len der acht Trieb­fak­to­ren, acht spe­zi­fi­sche Erb­an­la­gen, Trieb­grup­pen dar­stel­len, die als Radi­ka­le unhis­to­risch sind, und höchs­tens aus­nahms­wei­se durch Muta­tio­nen, nie­mals aber durch all­täg­li­che Situa­ti­ons­ver­än­de­run­gen sich umzu­wan­deln ver­mö­gen. [Ist durch nie neu­es­te Ent­wick­lung der Epi­ge­ne­tik über­holt wor­den. All­täg­lich Situa­ti­ons­ver­än­de­run­gen kön­nen sehr wohl die Wir­kung von Genen beein­flus­sen.]
Was sich auf der Dreh­büh­ne der See­le pri­mor­di­al wan­delt, ist das Wunsch­be­wusst­sein [auch das Poten­ti­al der ver­dräng­ten Bedürf­nis­be­frie­di­gun­gen bzw. deren Sym­pto­ma­tik] und die Stel­lung­nah­me des Ichs, wel­ches ein­mal aus die­ser, ein ander­mal aus jener Trieb­quel­le schöpft, um die­se oder jene Ansprü­che im Vor­der­grund des Seins aus­le­ben zu kön­nen.
Wäh­rend die eine Grup­pe von Trie­bener­gi­en die beson­de­ren Sze­nen im Vor­der­grund der see­li­schen Dreh­büh­ne nährt, bleibt die ande­re Grup­pe von Trie­bener­gi­en im Hin­ter­grund, d.h. in Reser­ve, bis dann das sie wan­deln­de Ich die Büh­ne wie­der umdreht und neue Ener­gie­quel­len für sein aktu­el­les Sein erschliesst.


3. Die von uns sup­po­nier­ten acht ver­schie­de­nen Trieb­ge­n­grup­pen blei­ben in ihren Wur­zeln – als spe­zi­el­le Ener­gie­quel­len – immer­fort die näm­li­chen; aber wie wir schon betont haben, kann sich ihre Erschei­nungs­form in einem begrenz­ten Kreis den­noch wan­deln – stets abhän­gig von den Wand­lun­gen des Ichs.
Die man­nig­fal­ti­gen Wand­lun­gen des Ichs, bedingt durch Geschlecht und Alter, Umwelt und Lebens­wei­se, per­sön­li­che und all­ge­mei­ne Schick­sa­le usw., ver­än­dern auch das Erschei­nungs­bild eines jeden Trieb­fak­tors (Trieb­be­dürf­nis­ses). So hat die­ser stets einen beson­de­ren Erschei­nungs­kreis mit ver­schie­de­nen Ebe­nen. Bei­den zusam­men muss die Deu­tung gerecht wer­den.»


Quel­len:
Lehr­buch der expe­ri­men­tel­len Trieb­dia­gnos­tik, Bd. 1, 1972, S. 68
Trie­bener­gi­en (Ich-Ana­ly­se 1999, S. 105)

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